Was man nicht zumauern konnte

Veröffentlicht am 07.08.2011 in Deutschland

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VON LUCAS KOPPEHL

Gut besucht und ein trotz etwas stickiger Raumtemperaturen geduldiges und aufmerksames Publikum. So ließe sich rein äußerlich die erfolgreiche Vorstellung des Buches „Brücken über die Mauer“ beschreiben. Über 50 Besucher waren gekommen.

Doch das vom Historiker und Sozialdemokraten Dieter Winkler herausgegebene Buch ist mehr, das, wenngleich Sozialdemokraten an ihm mitwirkten, kein sozialdemokratisches ist. Es beschreibt anhand von Briefen und zahlreicher Zeitzeugenberichten zur Abwechslung nicht die „großen Linien“ der Teilung, sondern die z.T. sehr persönlichen Geschichten, die die Menschen im geteilten Deutschland trotz Mauer verbanden. Von einem über zehnjährigen Ost-West-Briefwechsel war da zu hören, in dem trotz staatlicher „Mitleser“ unverhohlen und mutig, geradezu provozierend die Missstände in der DDR angesprochen wurden. Wie im ganzen Land brachen sich in den Herbsttagen des Jahres 1989 „40 Jahre Schweigen ihre Bahn“, wie es in einem der letzten Briefe vor dem Mauerfall hieß.

Bewegt erzählte der bereits erblindete Westberliner Dr. Rudolf Stephan von seinen Bemühungen um den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche und den Kontakten in die DDR. Und dies schon lange vor 1989. Die dafür nötigen Beziehungen der Evangelischen Kirche der DDR in den Westen spielten dabei eine wichtige Rolle. Die Bedeutung eben jener Kirche während der Teilung ordnete der Kirchenanwalt Reymar von Wedel ein, der als Beteiligter zu berichten wusste, wie die Evangelische Kirche bereits vor der Bundesregierung DDR-Häftlinge freikaufte und mit ihren Kontakten zur Staatssicherheit die von Willy Brandt geprägten „menschlichen Erleichterungen“ erreichte. An dieser Stelle verteidigte Dieter Winkler ausdrücklich Manfred Stolpe, der nicht nur als damaliger berlin-brandenburgischer Konsistorialpräsident eben ohne diese Stasi-Kontakte nicht viel hätte erreichen können.

Auch ein Pankower Genosse erzählte

Den „sozialdemokratischen Teil“ übernahm Helmut Hampel, der unterhaltsam von seiner Falken-Zeit in den 50er Jahren erzählte und seine Erlebnisse am Tag des Mauerbaus schilderte. Da ein Grenzer – der sich später als Stasi-Spitzel herausstellen sollte – als SPD-Mitglied mit Hampel bekannt war, konnte Helmut Hampel mit seiner frisch verheirateten Frau Helga die Sektorengrenze am 13. August 1961 letztmalig von Ost nach West überschreiten. Und dies nur, um seiner Mutter ihren Hund zurückzubringen. Noch am selben Tag kehrten sie jedoch wieder nach Ost-Berlin zurück. Manche sagten ihm später, er sei doch „blöd gewesen“, nicht gleich drüben zu bleiben. Aber so spielt die Geschichte manchmal.

Nach knapp zwei Stunden endete die Veranstaltung, die einem Einblicke in deutsch-deutsche Kontakte ermöglichte, die selbst die DDR nicht zumauern konnte. Ausdrücklich zu danken sind neben Herausgeber Dieter Winkler und den Autoren dem Schibri-Verlag, dem August-Bebel-Institut sowie der Presseabteilung der Berliner SPD. Die Veranstaltung wurde bereits nach Dresden und Leipzig eingeladen.

 
 

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